Die richtige Wahl Ihrer Existenzgründungsberatung

Die Wahl des richtigen Beraters oder Beraterin für Ihre Existenzgründung will wohl überlegt sein, denn die Auswahl ist groß. Neben den meist kostenlosen Angeboten der Startercenter, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Verbänden, Finanzämtern, Lotsendiensten und sonstigen Gründungsbeteiligten gibt es ein Vielzahl von qualifizierten und längerfristig angelegten Beratungsangeboten von Unternehmensberatern, Steuerberatern, Rechtsanwälten und Notaren.

Doch wann sollten Sie welche Angebote nutzen? Wie unterscheiden sich die einzelnen Beratungseinrichtungen voneinander?

 

Kostenlos versus kostenpflichtig

Kostenlose Angebote
zur Orientierungsberatung für angehende Existenzgründer und Existenzgründerinnen werden in der Regel von Kommunen, Kammern und Verbänden angeboten. Sie sollen es ermöglichen, sich zunächst einmal einen Überblick über das Gesamtthema zu verschaffen, um abschätzen zu können, was in der Gründungsphase alles auf die angehenden Existenzgründer zukommt. Diese Angebote sind meist kostenlos. Allerdings sind die auch meist unverbindlich, das heißt, das niemand dafür einsteht, wenn die gegebenen Informationen nicht korrekt sind und Sie als Gründer dadurch Schaden erleiden

Das Stundenvolumen ist in der Regel gering. Üblicherweise handelt es sich nur um kurze Seminare oder wenige Beratungsstunden (ca. 4-6), die in Anspruch genommen werden können.

Vorteil:                keine Kosten
Nachteil:             keine Haftung für falsche Auskünfte, wenig Stundenvolumen, oft fachlich einfach
(das Finanzamt verrät Ihnen mit Sicherheit nicht die wirklich interessanten Tipps; das Arbeitsamt eher nicht, wie Sie den Gründungszuschuss bekommen können)

Kostenpflichtige Angebote
stellen in der Regel Unternehmensberater oder Beratungsinitiativen zur Verfügung. Je nach Spezifikation der Berater und Beraterinnen können Existenzgründer sie gezielt zu einzelnen Sachthemen beauftragen oder aber auch für eine umfassende Beratung. Die Kosten für solche Beratungen liegen bei durchschnittliche 80-150 Euro pro Stunde. Diese Beratungskosten werden über Förderprogramme mit bis zu 50 % gefördert, die Berater und Beraterinnen wissen, wie Sie was und wo beantragen können.

Das förderbare Stundenvolumen liegt in der Orientierungs- und Planungsphase bei ca. 32 Stunden (meist 4 Tage á 8 Stunden), in der Startphase nach der offiziellen Gründung sind sogar bis zu 40 Stunden möglich. .
Vorteil:                längerfristige Beratung und Begleitung möglich, Fachexperten, Berater haften für Falschauskünfte
Nachteil:             Kosten müssen aufgebracht und verauslagt werden (schwierig in manchen Lebenslagen, z.B. bei Arbeitslosigkeit); Steuerberatung und Rechtsberatung ist nicht förderfähig.

Empfehlung
Orientieren Sie sich in den kostenlosen Angeboten erst einmal zum Thema Existenzgründung. Recherchieren Sie im Internet zu den Themen und Ihren Problematiken, so dass Sie sich im jeweiligen Thema zurechtfinden können und wissen, wo Sie selbst tätig werden können und wo Sie professionelle Hilfe brauchen, um Ihren Businessplan zu entwickeln.  Bedenken Sie, dass Sie mit guter Unterstützung sicherer gründen, eher in die Verdienstzone kommen und teure Anfängerfehler vermeiden können.

 

Angestellte Berater versus selbstständige Berater

Über die Unterschiede bei der Haftung hinaus gibt es aber noch weitere Unterschiede, über die man als Existenzgründer vorher einmal nachdenken sollte.

Den meisten angestellten Beratern und Beraterinnen fehlt in der Regel eine wichtige Eigenschaft! – Sie waren nie selber selbstständig! Sie waren nie in der Lage, ihr eigenes Kapital für eine ungewisse Sache riskieren zu müssen, sie können meist nicht mitreden wenn es darum geht, wie man mit Existenzängsten umgeht. Von der sicheren Seite des Schreibtischs aus mit pünktlich monatlich eingehender Gehaltszahlung lässt sich kein valider Rat zu grundlegenden unternehmerischen Problemen geben, weil es schlicht und ergreifend an der eigenen, unternehmerischen Erfahrung mangelt.

Fragen Sie also mögliche Berater –  wenn Sie angestellt arbeiten – ob Sie denn schon eigene unternehmerische Erfahrung haben. In einigen Fällen kann das durchaus zutreffen, dass man nach einer Selbstständigkeit doch wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgeht.

Empfehlung
Eigene unternehmerische Erfahrung eines Beraters oder Beraterin ist von Mehrwert. Es ist sicher nicht das alleinige ausschlaggebende Kriterium, aber ein sehr wichtiges. Setzen Sie Berater strikt nach ihren Kompetenzen ein: Steuerberater für Steuerangelegenheiten, Rechtsanwälte für Rechtsangelegenheiten, Behördenmitarbeiter für behördliche Angelegenheiten, Unternehmensberater für die einzelnen Fachgebiete, in denen sie qualifiziert sind

 

zertifizierte Berater versus nicht Zertifizierte

Eine Zertifizierung als solche ist grundsätzlich eine sinnvolle Maßnahme, da sie darauf ausgelegt ist, die Arbeitsprozesse in einem Unternehmen zu strukturieren und die Ergebnisse in immer gleichbleibender guter Qualität zu liefern. Diese Zertifizierung ist jedoch auf das Unternehmen selbst beschränkt, da jedes Unternehmen für sich definiert, was es unter Qualität versteht und den Grad der Qualität auch selber festlegt. Legt also z.B. ein Autohersteller in einem Zertifizierungsverfahren fest, dass im Lack eines Autos nur 0,02% Staubpartikel zu finden sein dürfen, heißt das noch lange nicht, dass ein anderer Autohersteller dasselbe Kriterium festlegt. Trotzdem können beide zertifiziert sein. Nach außen hin lässt sich also aus Kundensicht nicht beurteilen, ob der eine oder andere Hersteller anhand der Zertifizierung besser oder schlechter ist. Es bedeutet nur, dass beide Hersteller ein selbst gewähltes und definiertes Zertifizierungsverfahren für ihr Unternehmen durchführen.

Bei Beratungsinstitutionen ist es nicht anders. Auch hier gibt es verschiedene Zertifizierungsorganisationen, die diese Verfahren durchführen. Und jede Beratungsinstitution wählt ihre eigenen Qualitätsstandards. So zählen zum Beispiel die 24-stündige Erreichbarkeit bei einigen Centern zu solchen Standards, ebenso die Größe von Beratungsbüros, ob der Beratungsprozess standardisiert ist und wie das alles einheitlich dokumentiert wird.

Es sagt aber gar nichts darüber aus, wie denn die Beratungsqualität als solche ist, sprich ob die Beratung gut oder schlecht ist. Ob denn die Berater über bestimmte Qualifikationen oder Kompetenzen verfügen müssen. So sind z.B. auch schon Japanologen als Existenzgründungsberater in solchen Centern aufgetaucht, die nicht über die entsprechenden Fähigkeiten verfügten (wobei ich die Dame als solche selbst sehr geschätzt habe).

Empfehlung
Ob eine Beratung gut ist oder nicht, können Sie nicht an einer Zertifizierung der Einrichtung erkennen. Dafür müssen Sie sich schon genau erkundigen, nach welchen Maßstäben denn zertifiziert wurde, was also genau Inhalt der Zertifizierung war und ob das für Sie selbst das entscheidende Kriterium für gut oder schlecht ist. Eine wesentlich bessere Alternative ist, sich nach persönlichen Referenzen zu erkundigen. Sprechen Sie mit Gründern oder Gründerinnen,die bereits von ihrem ins Auge gefassten Experten beraten wurden. Ziehen Sie die Bewertungsportale im Internet zu Rate, und zwar vor allem die negativen Bewertungen (denn die positiven sind auch ganz gerne mal gefakt).
Machen Sie sich in Ruhe daraus ein Gesamtbild, denn schließlich sind diese Experten mit ausschlaggebend dafür, dass der wichtigste Schritt in Ihrem Berufsleben auch erfolgreich wird. Und nicht zuletzt muss natürlich auch die Chemie stimmen. Es nützt der beste Berater nichts, wenn sie sich unsympathisch sind.

 

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