Die ersten wichtigen Schritte auf dem Weg in eine Selbstständigkeit

Irgendwann hat es sie gepackt und da war auf einmal der Gedanke im Hirn, der sie fortan nicht mehr losgelassen hat. Immer wieder blitzt er auf! Wenn Sie im Job merken, dass Sie es eigentlich besser können als ihr Chef. Wenn Sie wieder einmal sehen, dass Sie ein Problem lösen können, was vorher niemand geschafft hat. Wenn Sie wissen, dass Sie etwas bewegen möchten

Dann hat er Sie erwischt – der Virus “Selbstständigkeit” – oder wie die Story eigentlich heißt: “Wie gründe ich mein eigenes Unternehmen?”

Wie fängt man also an, wie legt man los?

1) Bitte die rosarote Brille abnehmen – eine Existenzgründung, die auch funktionieren soll, ist eine anspruchsvolle Angelegenheit

Enthusiasmus kennt man manchmal keine Grenzen, vor allem nicht, wenn man seinen Lebenstraum verwirklichen möchte. Da passiert es leider oft, dass Existenzgründer die Realität ausblenden und keine reale Einschätzung mehr dafür haben, wie hoch das Risiko ist, das auf sie zukommt und wie man damit umgehen muss. Gerne wird der Gründungsaufwand unterschätzt; dass es notwendig ist, eine akkurate Planung durchzuführen; es wird schlicht und einfach geglaubt / gehofft, dass die Kundschaft kommt; der Arbeitsaufwand wird unterschätzt und man verlässt sich darauf, dass schon alles gut gehen wird.

Existenzgründung Statistik AN-Consult SolingenSolche Gründungen scheitern in der Regel in den ersten Monaten. Und dass das durchaus realistische Aussagen sind, zeigt die Gründungsstatistik des ifm in Bonn. Deutschland schafft es nicht, die Gründungsquoten nachhaltig anzuheben. Es werden im Schnitt genau so viele Unternehmen geschlossen, wie es Neugründungen gibt. Das bedeutet auch, dass es hier bei uns eben nicht so einfach ist, sich selbstständig zu machen, wie viele glauben.

2) Breites Wissen ist die beste Basis – erst ausgiebig informieren!

Lesen Sie sich schlau! Es kostet zwar etwas Zeit, dafür aber wenig Geld und spart so manchen Fehler ein. Außerdem bekommt man dann schon ein gutes Gefühl dafür, was an dem ganzen Gründungshype wirklich dran ist. Als Literatur wären zum Beispiel der “Global Entrepreneurship Monitor (Deutsch)” zu empfehlen, aber auch der KFW-Gründungsmonitor und die Statistik des IFM zum Gründungsgeschehen in Deutschland. Dort gibt es wissenschaftliche verlässliche Aussagen, was hier in Deutschland wirklich im Bereich Existenzgründung maßgeblich ist.

Sie haben von Marketing oder Steuern nicht viel Ahnung? Holen Sie sich mal den einen oder anderen Ratgeber, vielleicht sogar branchenspezifisch. Hier gibt es übrigens schon mal eine Arbeitshilfe zum Thema Steuern. Die wohl bekannteste Plattform ist die des Bundeswirtschaftsministeriums www.existenzgruender.de. Und es gibt auch ein Pendant dazu für Gründungen von Frauen www.existenzgruenderinnen.de

3) Eigene Kompetenzen kritisch checken und ggfs. vorher noch fortbilden

Als angehende Unternehmer oder Unternehmerin kennt man sich in seiner eigenen Branche in der Regel gut aus. Ganz anders wird es dann mit solchen Themen wie Marketing oder Finanzen, Buchführung und Steuern, Handels- und Gesellschaftsrecht etc. Alle diese Kompetenzen sollte man zumindestens in Anfängen beherrschen, sich also vorher belesen machen. Ein Unternehmer muss jederzeit in der Lage sein, sich einen wirtschaftlichen Überblick über sein Unternehmen zu verschaffen. Wenn man aber schon seine BWA nicht versteht oder interpretieren kann, sieht das nicht so gut aus mit einer erfolgreichen Gründung. (Ein Steuerberater ist maximal dazu da, Ihnen genau diese Zahlen pünktlich zu liefern, aber es ist nicht seine Aufgabe, für die Unternehmer und Unternehmerinnen zu handeln!).

Seien Sie selbstkritisch und gestehen Sie sich ein, wo Sie Lücken haben. Besser jetzt zu Anfang als dann, wenn es zu spät ist. Sind Sie nämlich erst einmal selbstständig, haben Sie keine Zeit mehr, um noch schnell den einen oder anderen Kurs zu absolvieren. Dann geht es nur noch darum, die Aufträge reinzuholen und abzuarbeiten.

4) Was macht denn die liebe Konkurrenz? – Intensive Beobachtung im Vorfeld!

“Ich habe keine Konkurrenz!” – Wie oft habe ich den Satz schon gehört. Und dann guckt man einmal ins Internet und schon hat man eine ganze Handvoll. Viele Gründer und Gründerinnen verlieren den Blick dafür, wer alles Konkurrent ist. Das immer wieder propagierte Thema Gebietsschutz ist ein typisches Beispiel dafür. Mag ja sein, dass das für einen Franchiseunternehmen intern gilt, aber das hält doch andere Franchisegeber nicht davon ab, genau neben “Ihrem” Sonnenstudio ein weiteres zu eröffnen, nicht wahr? Und es mag ja auch sein, dass “Ihr” griechisches Restaurant das Einzige im Ort ist, aber da gibt es ja noch den Italiener, den Jugoslawen, den Chinesen, die Asia-Ketten und und und ….Sie merken schon, da müssen Sie schon etwas tiefer blicken.

Außerdem…wer könnte Ihnen bessere Infos liefern als ihre eigene Konkurrenz? Wie schaut deren Werbung aus, wie groß sind die Läden, welche Sortimente scheinen zu laufen, welche Art von Kunden hat die Konkurrenz, wie sind sie vernetzt, wo sind evt. Schwächen zu erkennen, wo sind deren Stärken und wie können sie die evt. kompensieren? Es lohnt sich also schon aus eigenem Interesse, mal einen Blick auf die Konkurrenz zu werfen.

5) Seminare zum Thema Existenzgründung in Anspruch nehmen

Seminare zum Thema Existenzgründung gibt es eine ganze Menge. Manche davon sind kostenlos oder gegen kleines Entgelt zu haben. So z.B. die Starterseminare der Lotsendienste, Startercenter, der IHKn, der HWKn (ab und zu) sowie die der Finanzämter. Dazu kommt eine ganze Reihe an Gründungsinitiativen vor Ort oder auch private Anbieter. By the way…manchen werben mit “Institut für ..”. Dazu sollten Sie wissen, dass das keine geschützte Bezeichnung ist, dahinter kann sich alles verstecken. Ich hatte mal mit einem Institut für angewandte Kommunikation zu tun. Die Inhaberin war alleine mit ihrem Gatten dort tätig und von der Ausbildung her eine Textilfachverkäuferin. Noch Fragen?

Auch ganz beliebt: Weiterbildungsinstitute bieten auf die Ausschreibungen der Arbeitsagenturen und bekommen nur dann den Zuschlag, wenn sie das preiswerteste Gebot abgeben. Da sind Tarife von 1 Euro pro Teilnehmer schon ein gutes Entgelt. Und nun rechnen sie mal hoch, bei so ca. 30 Teilnehmern kommt ein Umsatz von 30 Euro zustande, davon muss das Weiterbildungsinstitut noch wirtschaften und was bleibt dann für die Dozenten? Welcher qualifizierte Dozent gibt sich dafür her? Und wenn ja, was wird er wohl tun? Genau…Probleme konstruieren im Seminar, damit nur ja niemand glaubt, ohne ihn (oder sie) auskommen zu können und sich auf diese Weise Umsatz zu verschaffen. Und …was haben Sie als Teilnehmer davon? Schauen Sie also genau hin, wer da ggfs. vor Ihnen steht.

Persönlich ganz gute Erfahrungen habe ich mit den VHSsen und den Akadamien von Wohlfahrtsverbänden gemacht. Dort werden Dozenten meist besser bezahlt und es herrscht auch ein anderer Geist dort. Da kann man schon mal das eine oder andere gute Seminar erwischen.

6) Rein in die Unternehmensnetzwerke! –  Mentor oder Mentorin suchen

Wer könnte Ihnen wohl besser erzählen, wie es im Leben eines Unternehmers oder Unternehmerin zugeht? Richtig! Die Unternehmen selber. Sie sind täglich mit den Alltagshürden konfrontiert, haben schon ihre eigenen unternehmerischen Erfahrungen gemacht und wissen, wo es lang geht, wie man Probleme lösen kann. Nun wird nicht jeder Unternehmer bereit sein, sie unter seine Fittiche zu nehmen, aber es durchaus möglich, Teil dieser Netzwerke zu werden und so in die Szene hineinzufühlen. Dabei bleibt auch immer der eine oder andere Kontakt “hängen”.

Mentoren oder Mentorinnen lassen sich in der Regel über Projekte finden, z.B. den Unternehmerinnenbrief NRW. Solche und ähnlich Projekte gibt es bundesweit immer mal wieder, auch wenn man evt. etwas länger suchen muss.

7) Beratungsangebote in Anspruch nehmen

Ebenso wie bei den Seminaren gibt es auch für die Gründungsberatung einige kostenlose Angebote, z.B. bei Starter-Centern, den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern oder Berufsverbänden. Diese sind meist zeitlich limitiert – von 1 Stunden bis ca. 5-6 Stunden, manchmal auch mit Entgelt. Es gibt aber auch weitergehende, intensive Beratungs- und Coachingangebote von freien Beratern und Beraterinnen mit einem Stundenvolumen von bis zu 32-60 Stunden. Diese Beratungen der freien Berater werdenvom Staat gefördert mit unterschiedlichen Fördersätzen je nach Bundesland von 50 – 80 %.

Und nun müssen Sie für sich als Gründer oder Gründerin ausrechnen, bei welchem Angebot Sie mehr bekommen. Es kann nämlich durchaus sein, dass Sie für 5 Stunden in einem StarterCenter pro Stunde 80 Euro zahlen müssen, insgesamt also 400 Euro. Bei einer kompletten Gründungsberatung (ca. 32 Stunden) bei einem freien Berater hingegen beträgt der Eigenanteil bei 50 % Förderung ca. 1600 Euro, dafür bekommen Sie aber dann nicht nur 5 sondern gute 30 Stunden.

Kostenlose oder verbilligte Angebote müssen also nicht unbedingt wirklich günstig sein. Da hier auch noch Qualitäts- und Haftungsaspekte ins Spiel kommen, steht für Sie hierzu der Tipp “Die richtige Wahl Ihrer Existenzgründungsberatung” zur Entscheidungsfindung zur Verfügung.

8) Eigenes Beratungsnetzwerk zusammenstellen

Als Gründungsberaterin stelle ich für meine Kunden ein Netzwerk an geprüften und zuverlässigen Steuerberatern, Notaren, Rechtsanwälten, Grafikern, Webdesignern und weiteren Experten zur Verfügung. Auf diese Weise haben meine Kunden den Vorteil, nicht erst lange nach zuverlässigen Businesskontakten suchen zu müssen und dabei dann evt. doch an den Falschen zu geraten.

Wenn Sie diese Möglichkeiten nicht nutzen können, so versuchen Sie, sich im Vorfeld einige Beratungskontakte zu prüfen und auszuwählen. Bitte seien Sie vorsichtig mit Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Hier wird oft der Sympathiefaktor zum ausschlaggebenden Kriterium für eine Weiterempfehlung. Es nützt Ihnen aber nichts, wenn ihr Steuerberater sympathisch ist, ansonsten aber ihre Buchführung der Praktikantin überlässt. Siehe hierzu auch den Tipp “Die Wahl des richtigen Steuerberaters”.

9) Aussagekräftigen und individuellen Businessplan / Geschäftskonzept erstellen

Gute Businesspläne erkennt man daran, dass sie detailliert sind, auf Phrasen und Allgemeinplätze verzichten, und dass sie individuell auf die Gründer und die Zielgruppen ausgerichtet sind. Es kommt dabei eben nicht darauf an, möglichst viel Papier zu produzieren, sondern präzise und prägnant eine gut durchdachte Planung vorzulegen. Es gibt also keinen (guten) Businessplan, den man für andere Gründungen verwenden könnte, da immer die Persönlichkeit und die Kompetenzen eines Gründers oder einer Gründerin hineinwirken und so jeden Businessplan individuell werden lassen.

Vorsicht vor vorgefertigten Businessplantools! Zum einen treffen diese meist nur oberflächlich erarbeiteten Businesspläne nicht den Kern der Gründungsidee. Zum anderen sind die Textbausteine meist bei den Banken schon bekannt und werden mit entsprechender Software schnell identifiziert. Das hat zur Folge, dass ihr Businessplan direkt zur Seite gelegt und nicht gefördert wird. Denn wenn Sie sich schon keine Mühe mit der wohl wichtigsten Planung ihre Unternehmung geben, wieso sollte dann eine Bank in Sie als angehenden Unternehmer Vertrauen setzen?

Als Arbeitshilfe können Sie hier die Checkliste Mindestanforderungen Businessplan herunterladen.

10) Rütteltest des Businessplans mit guten Bekannten durchführen

Wenn man in eigener Sache unterwegs ist, fehlt einem selbst oft der notwendige Abstand zur Sache, um einen solchen Businessplan aus neutraler Sicht beurteilen zu können. Man selbst kennt sich in der Szene aus, man weiß, um was es geht und die sprachliche Fassung eines Konzeptes spiegelt das oft wieder. Die Kundschaft aber kommt nicht mit demselben Wissensstand einher und sehen so manche Planung aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Jede Planung lässt sich verbessern, wenn man Menschen um Feedback bittet, die mit der Materie ansonsten nicht oder nicht viel zu tun haben. Suchen Sie sich ein paar gute Bekannte, dieIhnen gegenüber ehrlich sind und bitten Sie sie, ihren Businessplan kritisch durchzuschauen und nach Unstimmigkeiten und Unklarheiten zu suchen.

11) Bankgespräch vorbeiten – mehrere Banken vorauswählen

Zu den beliebtesten Bankkunden gehören Beamte und langjährige Angestellte in höher dotierten Positionen. Danach kommen Unternehmer, die schon länger erfolgreich am Markt bestehen und dann kommen normale Angestellte. Kleine Unternehmen und Selbstständige kommen ziemlich zum Schluß und Existenzgründer bilden das Schlußlicht gerade noch vor den Menschen, die sich in Arbeitslosigkeit befinden. (Klassifizierung nach Risiko). Und wenn Sie dann noch mit einre relativ geringen Finanzierungssumme ankommen, so dass sich für eine Bank der Aufwand nicht lohnt und sie zudem noch einen Kunden mit hohem Risiko hat, gehören Sie definitiv nicht zu Bankers “Lieblingen”.

Seien Sie also gut vorbereitet, wenn Sie in eine Bankgespräch gehen. Kennen Sie jede Zahl, jede Zielgruppe ihres Businessplans, sie müssen sie schlüssig erklären können. Maßgebend für die Beantragung von öffentlichen Fördermitteln ist immer die jeweilige Hausbank. Diese hat aber nicht unbedingt ein Interesse daran, öffentliche Fördermittel einzusetzen, da die Beantragung erheblichen Aufwand verursacht. Dieses Themengebiet ist sehr komplex, lassen Sie sich hier bitte auf jeden Fall beraten, damit Sie keinen Schaden durch eine unsachgemäße Finanzierung nehmen.

12) monatliches Controlling installieren – regelmäßiger Check, wo ihre Gründung steht.

Der beste Businessplan ist nichts wert, wenn sie ihm nicht folgen. Dafür ist es erforderlich, dass Sie sich einmal im Monat Zeit nehmen und Revue passieren lassen, was Sie geschafft haben, was noch vor Ihnen liegt, an welcher Stelle Sie vom Plan abgewichen sind – positiv wie negativ – und warum das passiert ist. Sollte sich herausstellen, dass die Annahmen im Businessplan nicht der Realität entsprechen, muss der Plan angepasst werden. Da niemand in die Zukunft schauen kann, passiert das schnell. Die ungeplante Baustelle vor der Tür, eine geänderte Gesetzeslage oder auch schlicht der Kunden Meinung, dass ihr Produkt gerade mal nicht “in” ist. Wichtig ist hier, den Businessplan zu einem lebendigen Instrument zu machen und immer weiter zu verfeinern und anzupassen.

High-Potential-Gründercoaching HotlineIch wünsche Ihnen auf alle Fälle viel Erfolg bei dem Sprung in die Selbstständigkeit! Wenn Sie Fragen haben oder gerne Unterstützung für Ihr Gründungsvorhaben in Anspruch nehmen möchten, stehe ich Ihnen gerne für ein unverbindliches Vorgespräch zur Verfügung.

 

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